Sorge im Chemiepark Marl: Politik, Industrie und Gewerkschaften schlagen gemeinsam Alarm. Zwischen Klimapolitik und Kostendruck steht die Sicherheit tausender Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Im Chemiepark Marl mehren sich derzeit die Sorgen um die Zukunft des Standorts. Bei einer Pressekonferenz im Feierabendhaus kamen Vertreter aus Politik, Industrie, Gewerkschaften und Verbänden zusammen, um auf die angespannte Lage der Chemiebranche aufmerksam zu machen und klare Erwartungen an die Bundespolitik zu formulieren.
Ungewisse Zukunft
„Der Chemiepark ist die Herzkammer unserer Stadt“, betonte Bürgermeister Thomas Terhorst. Rund 10.000 Menschen arbeiten hier direkt, viele weitere sind über Zulieferbetriebe verbunden. Doch steigende Energiepreise, internationale Konkurrenz und der CO2 -Zertifikatehandel setzen die Branche massiv unter Druck. „Wenn es der Chemie gut geht, geht es auch Marl gut – und genau das ist aktuell nicht mehr selbstverständlich“, so Terhorst. Was auf dem Spiel steht, sind nicht nur Produktionszahlen, sondern auch Verlässlichkeit und Perspektiven für die Menschen in Marl. Zwischen Transformation und politischem Tempo wächst die Unsicherheit, wie stabil industrielle Arbeit künftig noch ist. Evonik-Personalvorstand Thomas Wessel sprach von einer „sehr, sehr ernsten Lage“ und warnte: „Bei einer Auslastung von 70 Prozent verdienen wir kein Geld.“ Kern der Pressekonferenz war ein gemeinsamer Appell an die Bundespolitik.
Vier Forderungen wurden an die Bundestagsabgeordneten Nicklas Kappe und Lars Ehm übergeben: Verlängerung kostenloser CO2-Zertifikate für die Industrie, ein verlässlicher Industriestrompreis, stärkere Förderung von Carbon Capture and Storage (CCS) sowie eine pragmatische Definition von klimafreundlichem „blauem Wasserstoff“, um den Hochlauf der H2 -Wirtschaft nicht abzuwürgen. Trotz aller Sorgen bleibt Hoffnung: Neue Wasserstoffprojekte könnten Impulse setzen. Doch klar ist auch, dass es sich für Marl gerade entscheidet, wie sicher der industrielle Boden unter den Füßen bleibt.