Rzkar Mohammad Amin (20) kam vor drei Jahren ganz allein nach Deutschland. Heute lebt er in Marl, macht eine Ausbildung im Hotel und unterstützt Geflüchtete. Eine Geschichte über Mut und echte Chancen.
Gerade mal 17 Jahre alt war er, als Rzkar Mohammad Amin nach Deutschland kam. Seine Reise führt ihn von Syrien über die Türkei und Bulgarien bis nach Deutschland. Am Anfang stand Köln. Eine Turnhalle, viele Menschen, wenig Orientierung. Und vor allem keine Familie. Am schwierigsten sei die Sprache gewesen, sagt er. Und die Bürokratie. Formulare, Ausweise, Konto, Schulplatz. Seine Familie ist bis heute in Syrien, Kontakt hält er über das Handy, meist per WhatsApp. „Meine Eltern“, antwortet er auf die Frage, was er am meisten vermisst.
Lernen, arbeiten, bleiben
Dass er überhaupt Fuß fassen konnte, verdankt er auch den Menschen, die ihn begleiteten. Menschen wie Julian Diehl vom „Team Auszeit“ der evangelischen Jugendhilfe der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen. Er unterstützt Rzkar und andere Geflüchtete, hilft ihnen bei Anträgen, bei der Suche nach Schulen, Ausbildungsplätzen und Perspektiven. „Unternehmen, die ausbilden, können sich gerne bei mir melden“, unterstreicht Diehl. In einer WG mit zwei anderen jungen Geflüchteten lernte Rzkar langsam Deutsch, übte im Alltag, hörte zu, probierte aus. Schritt für Schritt entstand so etwas wie Sicherheit. Nach einer Flüchtlingsklasse am Berufskolleg Haltern ist Rzkar heute im zweiten Lehrjahr zum Hotelfachmann im Seehof am Halterner Stausee. „Mit Menschen reden“, sagt er, gefalle ihm am meisten. Nach der Ausbildung möchte er damit weitermachen, vielleicht noch eine Zusatzausbildung als Koch. Hauptsache arbeiten.
Deutschland sei für ihn eine Chance. In Syrien gebe es für ihn keine Sicherheit, keine Möglichkeiten, sich eine Zukunft aufzubauen. Kurz vor seinem 18. Geburtstag stand für ihn fest, dass er gehen musste. Sein Vater habe gesagt: „Geh und mach dein Leben.“ Ein Satz, der nach Mut und Abschied klingt. Besonders wichtig sei es, schnell eine Perspektive zu haben, sagt auch Julian Diehl. Schule, Ausbildung, ein Ziel, das gebe jungen Menschen das Gefühl, dass ihr Handeln einen Sinn hat. Stillstand sei schwer auszuhalten.
Alleine – und doch nicht allein
Seit gut einem Jahr lebt Rzkar in einer eigenen Wohnung. „Ist schwierig, aber muss halt“, sagt er und lächelt dabei. Allein zu wohnen heißt: selbst kochen, selbst planen, selbst Verantwortung tragen. Im Jugendkulturzentrum Kunterbuntes Chamäleon begleitet er jeden zweiten Dienstag im Monat eine Kochgruppe für Geflüchtete. Dank seiner Arabisch- und Kurdischkenntnisse wird auch er häufig als Übersetzer gebraucht. Julian Diehl schätzt ihn sehr: Wenn Rzkar spricht, erreiche das die Jugendlichen, auch weil er ihre Erfahrungen teilt. Rzkars größter Wunsch? Hierbleiben. Arbeiten. Sich ein Leben aufbauen. Vielleicht irgendwann mehr. Seine Heimat bleibe Syrien. Aber sein Zuhause ist jetzt hier. Es entsteht gerade neu.
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