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Romantisier es nicht 
Foto: Marco Stepniak

Romantisier es nicht 

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Laura Tirier-Hontoy

Im Jahr 2019 übernahm Maximilian Meynigmann (29) das einzige Kino in Marl. Heute spricht er über Mut, Gegenwind, Generationenkino – und warum Leidenschaft allein nicht reicht.

Als Maximilian Meynigmann 2019 die Loe-Studios eröffnete, war er 22. Ein Alter, in dem viele noch überlegen, was sie eigentlich machen wollen. Er wusste es damals selbst nicht genau. „Ich hatte genauso viel Ahnung vom Kino wie du“, sagt er und lacht. Cineast sei er nie gewesen. Die Idee entstand nicht aus Filmromantik oder Leidenschaft zu Arthouse, sondern aus einer nüchternen Rechnung.

Zurück in die Zukunft

Eigentlich kamen er und sein Geschäftspartner aus der Veranstaltungstechnik, organisierten Partys und Events. Auf der Suche nach einem Raum stießen sie auf das leerstehende Kino an der Hülsstraße. Der Gedanke, wieder ein Kino daraus zu machen, fiel eher beiläufig. Dann wurde gerechnet: Recklinghausen hat sieben Säle bei 115.000 Einwohnern – warum sollte ein Dreisaal-Kino in Marl mit 86.000 Menschen nicht funktionieren? Die Entscheidung war kein Bauchgefühl, sondern Risiko. Fast eine Million Euro flossen in die Sanierung. „Das macht man nicht nur, weil man Filme toll findet.“

Skepsis gab es genug. „Wie oft mir Leute erzählt haben: Ich habe gehört, ihr macht bald zu“, erzählt Max. Und fügt grinsend hinzu: „Meist sag ich dann sowas wie „Ach? Wieso hat mir das noch keiner erzählt?“. Dann kam Corona. Zwei Jahre Still stand. Aber statt aufzugeben, starteten die Loe-Studios als erstes mobiles Autokino Deutschlands – mit internationaler Aufmerksamkeit, samt Bericht im amerikanischen Frühstücksfernsehen. Das Kino überlebte und läuft heute besser denn je.

Ein besonderes Projekt ist das Generationenkino: feste Termine am Vor- und Nachmittag, speziell für ältere Besucherinnen und Besucher. Die Säle sind dann meist bis auf den letzten Platz besetzt. Dankbarkeit sei die häufigste Reaktion. Viele verbinden mit dem Haus Erinnerungen: erster Kuss, erste große Liebe. Heute kommen manche mit ihren eigenen Kindern zurück. Netflix und Co. sind für Maximilian kein großer Angstfaktor. „Ich kann auch Fußball zu Hause gucken und gehe trotzdem ins Stadion.“ Kino sei Erlebnis, ein gemeinsamer Moment: der Geruch von Popcorn, das Licht im Saal, der Sound. Problematischer seien steigende Energiepreise, höhere Lohnkosten, Bürokratie, teurer werdende Zulieferer. Luxusgüter wie Kino reagieren empfindlich auf Unsicherheit und gleichzeitig suchen Menschen gerade dann Ablenkung. „Brot und Spiele“, sagt er.

Der Ernst des Lebens

Sieben Jahre nach der Eröffnung wirkt das Kino etabliert. Moderne Technik, bequeme Sitze, regelmäßige Investitionen. Und was rät er jungen Gründerinnen und Gründern? Er zögert. „Überleg es dir gut.“ Selbstständigkeit werde romantisiert. Sie bedeute Verantwortung, Unsicherheit, wenig Auszeiten. „Mach es nicht nur aus Luft und Liebe.“ Trotzdem steht das Kino noch. Maximilian wirkt nicht wie jemand, der ans Aufhören denkt. Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte: nicht nur der Mut mit 22 – sondern die Ausdauer mit 29.

Info
Loe Studios Marl

Hülsstraße 23
45772 Marl

loe-studios.com

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